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3.5 Zielgruppenorientiertes Design
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3.5.1
Einführung
Das Thema des zielgruppenorientierten Designs ist recht komplex. Nichtsdestotrotz ist dieser Abschnitt nicht sehr lang geworden: Wir können zwar aufzeigen, wie eine Zielgruppenorientierung möglichst erreicht werden kann, Faustregeln hierfür gibt es aber nicht. Soll heißen: Wir liefern das Schema, Sie müssen es mit Daten füllen.
Wieso ist zielgruppenorientiertes Design überhaupt wichtig? Ein Design muss, um Erfolg zu haben, an seine spezifische Zielgruppe angepasst werden. Beispielsweise unterscheiden sich Gefühle, Weltanschauung und nicht zuletzt Internet-Kompetenz von Senioren und Teenagern aller Wahrscheinlichkeit nach in wesentlichen Aspekten. Das Design für auf diese Zielgruppen zugeschnittene Seiten hat dem Rechnung zu tragen. Praxisorientierter ist der konkrete Fall: Teenager finden eine Site mit grellen Farben und vibrierenden Flash-Navigationsbuttons cool. Doch welche Meinung hätten Senioren von dieser Seite? Gefallen ihnen die Farben? Ist die Schrift eventuell zu klein? Und: Verstehen sie das Navigationskonzept überhaupt?
Zielgruppenorientiertes Design bezieht sich nicht nur auf das grafische, sondern auf Site-Design allgemein. Auch der Sprachstil gehört beispielsweise dazu.
Das zielgruppenorientierte Design ist auch geeignetes Mittel, die Besuchergruppe einer Seite zu verändern. Was muss also getan werden, um den Computerfreak-Anteil der Besucher zu erhöhen?
Überlegungen dieser Art machen das zielgruppenorientierte Design, kurz ZGOD, aus. Vier Schritte haben sich als Weg zu einem vernünftigen ZGOD herauskristallisiert: Definition der Zielgruppe, Untersuchung der Zielgruppe, Dateninterpretation mit dem Ziel konkreter Design-Richtlinien und schließlich die den Richtlinien folgende konkrete Anpassung des Designs.
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3.5.2
Definition der Zielgruppe
Hauptproblem ist die Beantwortung einer simpel anmutenden Frage: Wer besucht meine Seite? In welche Gruppen lassen sich meine Besucher einordnen bzw. gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Surfern?
Es gibt verschiedene Ansätze, hier zu Antworten zu kommen. Zunächst sollten Sie sich mit der Frage beschäftigen, für wen Ihre Seiten eigentlich gedacht waren. Es besteht zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die tatsächliche Besuchergruppe und die Ziel-Besuchergruppe zumindest Überschneidungen zeigen.
Problematisch wird es dann, wenn man sich die Frage stellt, ob man wirklich bzw. ausschließlich die Surfer erreicht, die man eigentlich erreichen will. Wer will z.B. sagen, dass eine eigentlich für jüngere Frauen gedachte Seite mit Kosmetik-Tipps nicht auch von älteren Frauen regelmäßig besucht wird? Klärung kann hier durch User-Umfragen erreicht werden, die jedoch immer mit Vorsicht zu genießen sind - Witzbolde machen sich gerne eine Spaß daraus, solche Untersuchungen zu manipulieren. Außerdem sind in Umfragen gemachte Angaben nicht immer ehrlich.
Stellt sich heraus, dass die ursprünglich angepeilte Zielgruppe nicht mit den tatsächlichen Benutzern übereinstimmt, bietet das ZGOD zwei Optionen: Optimierung des Designs auf die tatsächliche Benutzergruppe oder Veränderung des Designs mit dem Ziel, die tatsächliche Benutzergruppe zu korrigieren.
Es ist wichtig, die Zielgruppendefinition möglichst so genau wie möglich vorzunehmen. Es gibt durchaus einen Unterschied zwischen 40-Jährigen und 50-Jährigen. Wie genau Ihre Daten sein sollen, müssen Sie im Endeffekt selbst entscheiden: Je nach Seitentyp sind verschiedene Merkmale der Benutzergruppen verschieden wichtig. Eine allgemeine Männerseite interessiert sich dabei wohl in erster Linie für den Anteil der männlichen Besucher. Eine Bestimmung des Alters würde sinnvollerweise auch stattfinden, aber nicht sehr fein: beispielsweise beschränkt auf die Lebensphasen Pubertät, Lebensmitte und Lebensabend.
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3.5.3
Untersuchung der Zielgruppe
Nun wissen Sie, wen Sie erreichen wollen bzw. aktuell erreichen. Jetzt geht es darum, die gefundenen Zielgruppen genauer zu untersuchen.
Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen sollten, bleibt allein Ihnen überlassen: Für manche Seiten mag das Bildungsniveau der Leser eine Rolle spielen, für andere nicht.
Dass dabei besonders auf designtechnische Vorlieben geachtet werden sollte, erschließt sich wohl schon aus dem Namen "zielgruppenorientiertes Design". Zwei Fragen sollten daher auf jeden Fall geklärt werden: Welche Internet-Kompetenz kann vorausgesetzt werden und welche körperlichen Fähigkeiten sind tendenziell vorhanden?
Die Frage nach der Internet-Kompetenz ist zwingend, um seine Seiten und Konzepte überhaupt verständlich machen zu können. Auch die Frage nach körperlichen Fähigkeiten sollte nicht unterschätzt werden: Viele Senioren haben keine optimale Sehstärke, daher kann es z.B. absolut unpassend sein, kleine Schrift zu verwenden.
Gerade bei Seiten mit spezielleren Themen sollte das fachspezifische Bildungsniveau geklärt werden. Kann der Webmaster eine Webmaster-Seite davon ausgehen, dass seine Benutzer den Begriff "HTML" kennen? Oder richtet sich die Seite dann doch eher an Anfänger?
Ein typisches Fragenfeld für eine Zielgruppen-Untersuchung könnte also sein:
- Geschlecht
- Alter
- Bildungsstand
- Arbeitsfeld
- Einkommensniveau
- Wohnort
- Familie: Kinder? Verheiratet?
- Gewohnheiten/Hobbys/Interessen
- Erfahrung mit Computern
- Technische Computer-Ausstattung: ADSL? 56K-Modems?
- Internet-Nutzung: häufig/selten? Im Büro oder zu Hause?
Interessant kann auch eine Untersuchung der bevorzugten Medien sein. Daraus lassen sich später sinnvolle Schlüsse ziehen.
Zentral auch die Frage nach dem eigentlichen Ziel der Besucher: wieso kommen sie gerade auf Ihre Website?
Wenn Sie die gewünschten Informationen haben, kann es helfen, konkrete Benutzerprofile zu kreieren. Sie stellen sich dazu einfach verschiedene Personen vor, die in der Zielgruppe sein könnten und schreiben einen Steckbrief dieser Person. Dazu persönliche Bekannte zumindest als Anhaltspunkt zu verwenden, kann kein Fehler sein: wenn Ihre Zielgruppe Senioren sind, stellen Sie sich doch einfach Ihre Großmutter vor und erstellen Sie darauf aufbauend einen Steckbrief.
Was bringt das? Zunächst einmal eine Veranschaulichung. Wenn Sie später Schlussfolgerungen aus den Daten ableiten, ist die Frage "Welche Navigation würde meine Oma wohl verstehen?" einfacher zu beantworten als "Welche Navigation verstehen 50-70jährige Senioren mit durchschnittlicher Schulbildung".
Wenn Sie wollen und dafür genügend Zeit und Geld haben, können Sie die entsprechenden Untersuchungen auch von einer externen Agentur durchführen lassen. Oder Sie laden selbst einige Mitglieder der Zielgruppe ein und lassen sie über bestimmte Themen diskutieren. Im Gespräch werden oft Einstellungen und Meinungen ersichtlich, die eine Umfrage niemals zu Tage gebracht hätte.
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3.5.4
Erstellung von Design-Richtlinien
Die wesentlichen Daten sind gesammelt. Der nächste Schritt ist logischerweise die Interpretation der Daten: Welche Schlüsse lassen sich aus den gewonnenen Informationen ziehen?
Gut möglich, dass die Person, die die Zielgruppe untersucht, nicht der Designer der Site ist. Daher ist es sinnvoll, Ergebnisse in konkreten Design-Direktiven zu formulieren. Die können dem Designer dann einfach per Email übermittelt werden. Auch dann, wenn Designer und Zielgruppen-Spezialist ein und dieselbe Person sind, hat diese Vorgehensweise Vorteile: Die Übersicht wird erhöht, die eigenen Richtlinien sind jederzeit in schriftlicher Form verfügbar.
Die Erstellung der Richtlinien ist ein Transformationsprozess, bei dem theoretische Daten in praktische Arbeitsanweisungen umgesetzt werden müssen. Einfach ist das nicht, zumal immer eine subjektive Interpretation der Daten notwendig ist.
Ein erster Ansatz könnte es sein, sich weiteres Hintergrundwissen über entsprechende Zielgruppen zu verschaffen, das in Schritt zwei noch nicht beschafft wurde. Beispiel: Statistiken über Schulbildung bestimmter Altersgruppen, Umfragen.
Wenn Sie wissen, welche Medien von Ihrer Zielgruppe gelesen werden, können Sie daraus interessante Schlüsse ziehen. Besorgen Sie sich einfach einige der Zeitschriften, die auf Ihre Benutzerprofile zugeschnitten sind. Welche Sprache wird darin verwendet? Gibt es bestimmte Szene-Wörter? Sind Farben wie Grellrosa legitim?
Haben Sie alle zusätzlichen Informationsquellen ausgeschöpft, können Sie damit beginnen, die Design-Direktiven zu formulieren. Behalten Sie dabei die Benutzerprofile im Hinterkopf.
Sie sind ratlos, welche Erkenntnisse sich wie interpretieren lassen? Das passiert häufig. Vielleicht kann folgende kleine Liste Ihnen einige Anregungen geben:
- Grafisches Design: wie alt ist meine Zielgruppe? Jüngeren Menschen und solchen mit höherer Bildung können meist eher Experimente zugemutet werden.
- Navigation: wie beim grafischen Design.
- Technische Voraussetzungen: Sie können prinzipiell davon ausgehen, dass Internet-Vielnutzer eher aktuelle Plug-Ins installiert haben als Netz-unerfahrene Menschen. Zudem haben jüngere Menschen meist mehr Erfahrung mit dem Netz als ältere.
- Inhalte: wofür interessiert sich meine Zielgruppe besonders. Welchen Sprachstil verwendet sie? Gibt es einen Jargon? Mode-Wörter? "Uncoole" Ausdrücke?
Besondere Beachtung hat immer die Frage verdient, welche minimalen Fähigkeiten bei der Zielgruppe vorausgesetzt werden können. Davon hängt es ab, ob eine Site überhaupt benutzbar ist.
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3.5.5
Design-Anpassung
Web-Designer, Autoren und Programmierer haben nun die Aufgabe, die von Ihnen ausgearbeiteten Richtlinien umzusetzen. Dass diese dabei noch kreativen Freiraum haben sollten, ist klar.
Kontrollieren Sie aber die Authentizität der abgelieferten Ergebnisse: wer den Stil einer Gruppe nur imitiert, anstatt ihn wirklich zu verstehen und zu adaptieren, blamiert sich nur. Ein pseudo-jugendsprachlicher Text ist ein gutes Beispiel.
Manchmal müssen Sie dabei Prioritäten setzen: ist ein cool aussehendes Design wichtiger als eines, das von Senioren verstanden wird? ZGOD ist prinzipiell wichtiger als Geschmacksfragen, denn eine Site, die ihre Zielgruppe verfehlt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern.
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