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Epicenter Design

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Platzhalter "Epicenter Design" ist ein Webdesign-Ansatz, der vorschlägt, dass man beim Design einer neuen Seite zunächst die wichtigsten Bereiche gestalten und sich danach um die Peripherie kümmern sollte. Durch diese Vorgehensweise garantiert man zwar nicht unbedingt einen optimalen Gesamteindruck einer Site oder das beste Navigationsmenü der Welt. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass die Seite ihren Zweck in dem Sinne erfüllt, als dass sie wesentliche Informationen kommuniziert, steigt. Daher auch der Name, "Epicenter Design": die Gestaltung einer Seite beginnt beim wichtigsten Element, dem Epizentrum, und wird von dort ausgehend bei unwichtigeren Teilen fortgesetzt. Geprägt wurde der Begriff übrigens von Jason Fried in diesem Artikel.

In der Praxis


Wer dieser Philosophie folgt, fragt sich bei der Erstellung einer neuen Seite gezielt, was das konkrete mit ihr angestrebte Ziel ist. Dann findet man heraus, wie man die diesem Zweck dienenden Elemente so gestaltet, dass sie problemlos und direkt wahrgenommen werden. Normalerweise platziert man diese Elemente dann mittig und gestaltet um sie herum die weiteren Site-Elemente - Navigation, Logos, nett anzuschauende Grafiken. All das aber immer unter der Prämisse, dass der überragende Eindruck des Zentrums davon nicht beeinträchtigt wird.

Wer diesen Ansatz hinterfragt, wird schnell feststellen, dass er im Gegensatz zu vielen anderen verbreiteten Meinungen steht. Die Forderung von Nielsen z.B., ein Benutzer müsse direkt erkennen können, wo er sich innerhalb einer Internet-Präsenz gerade befindet, tritt hier eindeutig zurück. Epicenter Design betont eher den Informations- und Kommunikationswert der einzelnen, konkreten, gerade im Browser dargestellten Seite, vernachlässigt darüber aber die Vermittlung von Kontext-Informationen. Das ist pauschal weder richtig noch falsch - beide Philosophien haben ihre Vor- und Nachteile. Wie immer wird das Ergebnis an den Zielen gemessen, die Sie erreichen möchten, und je nach Ziel mag sich die eine oder andere Herangehensweise als vorteilhafter erweisen.

Fallbeispiel


Stellen Sie sich vor, Sie erhalten von einem großen Freemail-Provider den Auftrag, die Anzeige einer einzelnen Email-Nachricht im Web-Interface zu verbessern. Ihnen ist direkt klar, dass der Hauptsinn einer solchen Funktion wirklich darin liegt, eine einzelne Mail-Nachricht gut lesbar anzuzeigen. Kontext-Informationen haben hier keine so große Bedeutung, weil jedem Benutzer instinktiv klar ist, auf welcher Site und in welchem Unterbereich er sich befindet - private Emails landen ja schließlich, da durch Benutzeranmeldung geschützt, nicht in Suchmaschinen oder Linklisten.

Nach Abwägung all dieser Gesichtspunkte entscheiden Sie sich, den Epicenter-Ansatz auszuprobieren.

Dazu gestalten Sie einen rot umrahmten Kasten, der die gesamte Nachricht umfasst. Der Kasten ist unterteilt in kleinere Kästen, deren Rahmenfarbe etwas dunkler als die des umgebenden ist. In diesen kleinen Kästen werden später einmal die wesentlichen Header-Zeilen der Mail angezeigt. Der Bereich, der den Betreff enthalten soll, wird von Ihnen fett formatiert. Zusätzlich integrieren Sie einige wesentliche Funktionen in den Rahmen: Email löschen, Antworten, Weiterleiten etc.

Je nachdem, welche Navigations-Prinzipien Ihr Auftraggeber auf seinen anderen Seiten verwenden, könnten Sie z.B. eine Baumdarstellung der Email-Ordner links neben den roten Kasten setzen. Ein dezentes Logo und einige Textlinks zur Navigation - "Zurück", "Zur Hauptseite" - würde gut über den Kasten passen.

Und schon haben Sie Ihr Ziel erreicht, eine Email benutzerfreundlich anzuzeigen.

Fazit


Epicenter Design kann je nach Projekt genau der richtige Ansatz sein, zu erfolgreichen Ergebnissen zu kommen. Zur Verdeutlichung noch einmal die wichtigsten Vor- und Nachteile:

Pro


  • Im Gegensatz zu manch anderen Design-Philosophien: ein glasklarer Ansatz, der innerhalb eines Teams gut zu vermitteln ist.

  • Wesentliche Inhalte bekommen wesentliche Stellen, erreichen den Empfänger also wahrscheinlich

  • Tendenziell wird der visuellen Überfrachtung mit unnützen Elementen vorgebeugt


Contra


  • Der Ansatz kann zu seltsam anmutenden Seiten führen

  • Möglicherweise werden Dinge wie eine Usability-gemäße Navigation oder Corporate Identity in zu großen Maße vernachlässigt


Autor: Alexander Dilthey | Erstmalig veröffentlicht: 15.02.2005 | Einen Artikel schreiben?

 

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