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Teilnehmer für Usability-Tests finden

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Platzhalter Während der Arbeiten an einem neuen Website-Projekt ist Ihnen die Idee gekommen, dass eine gute Idee wäre, die vorläufigen Design- und Navigations-Entwürfe einem ersten Praxistest zu unterziehen. Oder vielleicht haben Sie auch den Auftrag erhalten, die Benutzerfreundlichkeit einer bestehenden Website zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Wie auch immer, Sie stehen vor der Situation, dass Sie einen Usability-Test durchführen möchten.

Die Idee ist gut und an sich nicht allzu schwer zu realisieren. Einziges Problem: Sie brauchen Teilnehmer für Ihre Untersuchungen. Menschen, die bereit sind, Ihr Testobjekt in einem Versuch zu benutzen und Ihnen anschließend von ihren Problemen damit zu berichten.

Ab einer gewissen Größe Ihres Projekts dürften die im Folgenden vorgestellten Überlegungen keine Bedeutung mehr für Sie haben - dann beauftragen Sie eine Agentur mit der Auswahl geeigneter Personen, haben selbst schon sehr viel Erfahrung mit dem Thema oder den ganzen Bereich des Usability-Testens bereits an Externe ausgelagert. Usability-Testprofis wird unser Artikel daher nicht ansprechen. Verstehen Sie ihn als einen kleinen Einstieg, als eine Reihe von Anmerkungen zum Thema.

Profil definieren


Ein guter Einstiegspunkt ist, sich die Zielgruppe Ihres Projekts bewusst zu machen. Wenn Ihnen das Wort "Zielgruppe" im Zusammenhang mit Webdesign irgendwie seltsam vorkommen sollte, können Sie zum Thema den Artikel Zielgruppenorientiertes Design in unserer Webdesign-Referenz lesen.

Warum ist es zur Auswahl der Testpersonen wichtig, seine Zielgruppe zu kennen? Weil Sie nur darauf basierend eine vernünftige Selektion in Frage kommender Personen durchführen können. Kurz gesagt: es geht darum, die Anwesenheit aller in der Zielgruppe vorhandenen Eigenschaften, die für Ihr Untersuchungsubjekt relevant sind, auch in der Testgruppe sicherzustellen.

Dazu ein Beispiel. Sie wollen untersuchen, wie ergonomisch die von Ihnen verwendeten Textabschnitte sind. Lesbarkeit ist Ihr wichtigstes Stichwort. Ihre Seite richtet sich an Menschen aller Altersgruppen. Dann ist es wichtig für Sie, dass Ihre Testgruppe einen breiten Alters-Querschnitt abdeckt, denn die Sehkraft nimmt mit dem Alter tendentiell an. Hauptkriterium bei einer dermaßen eingeschränkten Untersuchung ist also die "visuelle Fitness": ob die von Ihnen ausgewählten Menschen bestimmten sozialen Kriterien wie Weltanschauung oder Monatseinkommen genügen, spielt für Sie keine Rolle.

Ganz anders verhält es sich mit diesem Projekt: Sie wollen eine redaktionell betreute Website mit angeschlossener Community aufziehen, die thematisch den Bereich "Politik" abdeckt. Ihr Ziel ist es, dabei weltanschaulich neutral zu bleiben - Sie wollen sowohl linke als auch rechte Autoren und Community-Mitglieder. Also muss auch Ihre Testgruppe politisch gut durchgemischt sein. Usability hängt auch immer mit subjektiv empfundenem Wohlbefinden zusammen. Vielleicht ruft eine bestimmte Schriftart oder Farbkombination bei eher rechts orientierten Besuchern negative Gefühle hervor. Oder vielleicht findet ein Linker Ihre klare Trennung der Bereiche "Arbeitsmarkt" und "Kapital" höchst unlogisch.

Testgruppengröße


Wenn Sie eine Vorstellung davon haben, welche Menschentypen Sie brauchen, ist der nächste logische Schritt: wieviele Menschen brauchen Sie?

Erwarten Sie hier keine zu einfachen Antworten, wenn Sie nach hoher Genauigkeit streben: das ist ein Problem, mit dem Demoskopen sich seit Jahrzehnten vor jeder Wahl beschäftigen, ohne eine wirklich zuverlässige Lösung gefunden zu haben. Die Faustregel ist: je professioneller und exakter Ihre Untersuchung werden soll, desto mehr Testpersonen benötigen Sie.

Behalten Sie dabei auch die im Vorhinein festgelegten Suchprofile im Blick: fünf Testpersonen reichen nicht, wenn Sie sieben wichtige Zielgruppen haben.

Andererseits, wenn es Ihnen um schnelle Resultate ohne übertriebenen Aufwand geht, sind fünf Personen vielleicht schon ausreichend. Jakob Nielsen meint, dass fünf Personen genügen, um 85% der für die Usability problematischen Stellen aufzudecken.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es immer Menschen gibt, die ihre Zusagen nicht einhalten, ist ein Ziel von zehn Personen vielleicht angemessen.

Kleine Geschenke und die Anerkennung


Stellen Sie sich vor, dass ein potenzieller Kandidat vor Ihnen steht. Er wirkt, als wäre er ein personifiziertes Klischee, vor wenigen Sekunden Ihren Zielgruppendefinitionen entsprungen.

Die Herausforderung besteht nun darin, genau diese Person für eine Teilnahme an Ihrer Studie zu bewegen. Welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme gibt es? Und wie stellt man Vertrauen und Sympathie her?

In jedem persönlichen Kontakt ist es hilfreich, die Wirkung bestimmter nonverbaler Kommunikationssignale zu kennen. Wenn Sie sich näher für das Thema interessieren, ist das Buch Die kalte Schulter und der warme Händedruck recht empfehlenswert - es ist verständlich geschrieben und teilweise durchaus amüsant.

An dieser Stelle daher nur ein paar einfache Hinweise:
Wenn Sie mit einem anderen Menschen sprechen bzw. ihn ansprechen, nehmen Sie möglichst eine offene Körperhaltung ein. Präsentieren Sie Ihre Handflächen. Vermeiden Sie verschränkte Arme oder nervös wirkende Bewegungen.

Wenn Sie Leute ansprechen möchten, sollten Sie sich Orte aussuchen, an denen die Menschen, die Sie suchen, mit hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen sind. Gut geeignet sind Universitäten, Schulen oder auch einfach bestimmte Straßen (z.B. im Bankenviertel).

Bereiten Sie sich auf typische Fragen und Vorbehalte vor. Zum Thema "Kompensation" finden Sie einen Abschnitt weiter unten mehr Informationen. Versichern Sie Ihrer Zielperson, dass sie hinterer keine unerwünschte Werbung erhalten wird und dass ihre Daten nur zu Auswertungszwecken genutzt werden. Beschreiben Sie den Ablauf des Tests, möglichst kurz und verständlich. Versuchen Sie, das Gefühl zu vermitteln, dass der Testablauf interessant ist und durchaus Spaß machen kann.

Anerkennungen


Wer Ihnen hilft, erwartet eine Gegenleistung. Dieses Thema wird meist direkt nach der Kontaktaufnahme zur Sprache kommen - entweder, Sie erwähnen es von sich aus, oder Sie werden sehr schnell danach gefragt werden.

Denken Sie in diesem Bereich nicht zu materialistisch: die Grundlage aller Anerkennung ist emotionaler Natur. Wenn Sie den Menschen das Gefühl geben, dass sie Ihnen helfen und dass Sie daher aufrichtig dankbar sind, ist das schon ein guter Anfang. Erweitern kann man dieses Konzept z.B. mit einem personalisierten Dankesschreiben.

Während der Untersuchung ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Sie Ihren Helfern Erfrischungsgetränke und Snacks anbieten.

Stellt Ihre Firma etwas Besonderes her? Dann können Sie Ihre Produkte als Anerkennung verschenken.

Oder, wenn Sie ein entsprechendes Budget zur Verfügung haben: bezahlen Sie Ihre Versuchspersonen für die Zeit, die sie bei Ihnen verbringen. Nielsen hat dazu als Vergleichswert 64 Dollar pro Stunde angegeben.

Kontaktmethoden en detail


Wir haben schon einige Techniken vorgestellt, mit denen man Kontakt zu Versuchspersonen aufnehmen kann. Dieses Thema nun erneut, diesmal aber systematischer:

Auf der Straße


Sie können sich an eine belebte Kreuzung stellen und dort versuchen, Probanden zu akquirieren. Vorteil: viele verschiedene Menschentypen werden Ihnen begegnen. Nachteil: ebenso. Außerdem reagieren viele Menschen ablehnend, wenn man sie auf der Straße anspricht.

Auf der Straße II


Im Grunde wie die erste Variante, diesmal aber an einem Ort, an dem sich vermehrt bestimmte Menschentypen aufhalten. Als Beispiele haben wir schon Universitäten und Schulen aufgeführt. Ebenfalls sehr schön: Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen am Vormittag, wenn Sie auf der Suche nach Hausfrauen und Pensionäre sind.

Per E-Mail


Wenn Sie einen großen E-Mail-Verteiler haben, können Sie ein Rundschreiben versenden. Vermeiden Sie dabei jeden Anschein von Spam - die Empfänger müssen Personen sein, die Ihnen ihre Email-Adresse freiwillig überlassen haben.

Wie selektiv dieses Verfahren ist, hängt maßgeblich von Ihrer Email-Datenbank und den darin erfassten Daten ab. Haben Sie z.B. Informationen zu Alter, Monatseinkommen oder Beruf?

Wenn Sie im Auftrag eines Unternehmens arbeiten, ist es häufig ein guter Ansatz, eine unternehmensweite E-Mail zu verschicken. Als Kompensation erhalten die kooperationswilligen Mitarbeiter z.B. einen freien Nachmittag.

Die angebotene Kompensation ist bei Probandensuchen via E-Mail sowieso der entscheidende Punkt: in dieser Kommunikationssituation haben Sie keine Chance, mit Ihrer ganzen Persönlichkeit an die Hilfsbereitschaft anderer Menschen zu appellieren. Wahrscheinlich funktionieren derartige Aktionen nur dann, wenn Sie entweder einen attraktiven Sachwert oder Geld als Gegenleistung anbieten.

Beachten Sie auch die allgemeinen Prinzipien für erfolgreiche E-Mail-Kommunikation. Diese beinhalten ein weites Spektrum von Anforderungen - beginnend mit technischen Voraussetzungen wie äquivalenten Zeilenlängen geht es über personalisierte Ansprachen bis hin zur Vermeidung bestimmter Formulierungen. Mehr dazu im verlinkten Artikel.

Schneeball-Marketing


Im Prinzip so wie obige Email-Variante, jedoch erweitert: jeder Freiwillige bekommt eine zusätzliche Belohnung für jeden weiteren Freiwilligen, der er akquiriert.

Verbände/Interessensverbände


Je nach benötigter Selektivität kann es eine gute Idee sein, sich an Vereine oder andere Zusammenschlüsse von Menschen mit ähnlichen Interessen zu wenden. Geht es Ihnen z.B. um Accessibility, könnten Sie sich an einen Verein wenden, der sich für die Gleichstellung Blinder im alltäglichen Leben einsetzt.

Man sollte diesen Ansatz nicht unterschätzen: in Deutschland gibt es Vereine aller Couleur. Hundezüchter und Fischfreunde sind da noch die banalsten Beispiele.

Fazit


Prinzipiell kann man den Prozess auf drei Aufgaben reduzieren: Anforderungen definieren, Kandidaten finden, erfolgreich Kontakt aufnehmen. Vergessen Sie dabei nie, wie wichtig es ist, dass die Leute Sie mögen. Und wenn Sie erfolgreich mit einer Testperson zusammengearbeitet haben, können Sie sie fragen, ob es ihr recht wäre, wenn Sie sie später noch einmal kontaktierten - vielleicht für eine andere Untersuchung.

Autor: Alexander Dilthey | Erstmalig veröffentlicht: 21.01.2005 | Einen Artikel schreiben?

 

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