User Centered Design

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URL: http://www.aboutwebdesign.de/awd/content/1095717404.shtml

User Centered Design, also am Benutzer ausgerichtetes Design, ist im Grunde eine Bezeichnung für einen Prozess und eine Philosophie - eine Art und Weise, Dinge anzugehen, Dinge zu erledigen. Konkret: eine Art und Weise, Websites zu entwickeln.

Philosophie und Prozess


Als Philosophie bedeutet User Centered Design, den Benutzer als Individuum als Ausgangspunkt für alles andere zu sehen, nicht etwa ein Ding oder einen Sachzwang.

Als Prozess bedeutet es, kognitive Prozesse (Wahrnehmung, Erinnerungsvermögen, Lernfähigkeit, Problemlösungsverfahren...) zu berücksichtigen und sein Produkt (die Website, aber wir bleiben fürs Erste allgemein) dementsprechend anzupassen.

Typische Fragen


Typischerweise beschäftigt man sich dabei mit folgenden Fragen:

Zentrale Kriterien


Zentrale Kriterien für die Beurteilung des gesamten Produkts oder auch nur einer einzelnen Funktion sind:

Nützlichkeit


Ist das Produkt bzw. die Funktion nützlich?

Das kann je nach Art des Produkts und der Zielgruppe sehr unterschiedlich interpretiert werden: sind die News aktuell? Stimmen die Informationen? Hat der Online-Shop gute Produktinformationen und ein breites Sortiment?

Benutzbarkeit


Die klassische Usability. Siehe dazu die vielen anderen Artikel zum Thema.

User Experience


Dieser Begriff beinhaltet bereits die beiden vorangegangenen, umfasst aber zusätzlich eine emotionale Komponente: der Benutzer soll sich beim Benutzen des Produkts gut fühlen. Das Produkt soll, wenn möglich, positive Gefühle hervorrufen. Manchmal geht es dabei auch einfach um den "Fun-Faktor".

Nehmen wir als Beispiel die Website einer Band: Nützlichkeit ist gegeben durch Biographie der Mitglieder usw. Die Usability ist gut. Doch die Site insgesamt wird keine gute sein, solange nicht z.B. ein der Zielgruppe angepasstes Design und einige "Gimmicks" (z.B. ein Flash-Spielchen) angeboten werden.

Entwicklung nach dem UCD-Modell


Zentrale Voraussetzung für einen UCD-Entwicklungsprozess: involvieren Sie alle Mitglieder Ihres Teams. Es kommt darauf an, dass jeder mit dem zentralen Dogma der Benutzerorientierung vertraut ist. Menschen neigen dazu, im Kontext ihrer Spezialisierung zu denken: der Grafiker z.B. in ästhetischen Begriffen, der Programmierer in Ablaufplänen und Objektmodellen.

Nun kommt es darauf an, Sätze wie "Das passt aber nicht in unser Objektmodell" oder "Das sieht nicht gut aus" aus Ihren Besprechungen zu vermeiden, wenn es um Belange der Benutzer geht. Jedes Team-Mitglied sollte in der Lage sein, aus seiner fachspezifischen Perspektive herauszutreten und die Angelegenheit aus Benutzer-Sicht zu betrachten.

Konkrete Schritte


Bisher waren unsere Ausführungen recht abstrakt. Im Folgenden eine einfache Liste, die den Ablauf eines typischen UCD-Entwicklungsprozesses beschreibt.

Schritt I: Die potenziellen Benutzer einbinden


Sehr wichtig: von Anfang an Kontakt mit Ihrer Zielgruppe aufnehmen!

Führen Sie Gespräche mit Zielgruppen-Vertretern, beobachten Sie sie am Arbeitsplatz, engagieren Sie einige für regelmäßige Meetings und Bewertungen Ihrer Fortschritte - tun Sie alles, was nötig ist, um die Menschen, die mit Ihrem Produkt arbeiten sollen, kennenzulernen.

Schritt II: Die Zielgruppe konkret befragen


Holen Sie nun konkretere Informationen über Ihre Zielgruppe ein: wieviel Internet-Erfahrung kann vorausgesetzt werden? Welche Hardware? Wieviel Zeit sind sie zu investieren bereit?

Achten Sie dabei auch auf die kognitiven Prozesse: mit welchen Workflows ist die Zielgruppe vertraut? Welche Informationen werden benötigt? Was wird von Ihrem Produkt erwartet? Wie reagieren sie auf bestimmte Situationen, und vor allem: warum?

Schritt III: Offenheit bewahren


Legen Sie sich nicht zu schnell auf eine bestimmte Lösung fest. Lassen Sie sich Zeit und kehren Sie wann immer nötig zu I und II zurück.

Schritt IV: Entwicklungsphase


Haben Sie alle Vorab-Informationen eingeholt, kann die Entwicklungsphase nach klassischem Muster beginnen. Wichtig: regelmäßige Reviews, unbedingt auch in Zusammenarbeit mit Mitgliedern Ihrer Zielgruppe.

Was gegen UCD spricht


User Centered Development ist gut, wenn es Ihnen auf die Belange der Nutzer geht. Vergessen Sie darüber jedoch Ihre eigenen nicht: wollen Sie beispielsweise ein Produkt verkaufen? Dann ist Ihnen womöglich gar nicht an der perfekten Information gelegen. Viel lieber möchten Sie, dass der Benutzer kauft, und setzen dazu auch gern klassische Marketingstrategien ein. Ob der Benutzer Ihr Produkt wirklich braucht, ist Ihnen möglicherweise nicht so wichtig.

Also: User Centered Development zumindest in die Gesamtphilosophie einfließen zu lassen, ist nie ein Fehler - auch ein Shop braucht eine gute User Experience. Man sollte ihm in einigen Fällen jedoch keine zu hohe Bedeutung beimessen.