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Wahrnehmungspsychologie: Wie wirkt Animation?

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Platzhalter Animation auf Websites - was fällt Ihnen dazu ein? Schön, effektvoll, nervig, sinnvoll, störend?

Zu welchem Urteil Sie letztendlich gelangen, ist Ihre Sache. Über Geschmack lässt sich schließlich nicht streiten. Doch vor Ihrer Entscheidung sollten Sie einige wesentliche Fakten kennen.

Ein Sichtfeld - zwei Systeme


Das Sichtfeld des Menschen, also der von unseren Augen wahrnehmbare Bereich, erscheint uns gleichförmig und unterbrechungsfrei.

Doch in der Tat ist es so, dass es sich in zwei Einzelbereiche unterteilen lässt:
  • der zentrale Bereich ist der Bereich unseres Sichtfelds, den wir gerade fokussieren. Informationen aus dem zentralen Bereich werden inhaltlich analysiert und sehr bewusst wahrgenommen.
  • der periphere Bereich dagegen ist der Randbereich des Sichtbaren. Was das Auge hier wahrnimmt, wird eher unterbewusst analysiert. Bestimmte Reize in diesem Bereich jedoch veranlassen unser Hirn dazu, unsere bewusste Aufmerksamkeit umzulenken. Eine Bewegung im peripheren Bereich ist ein solcher Reiz.


Der Sinn dieses Systems ist klar: wenn ein urzeitlicher Mensch in Ruhe eine schmackhafte Frucht betrachtete, war es überlebensnotwendig, die raschelnden Zweige am Rand des Sichtfeldes wahrzunehmen - es könnte ja ein sich anschleichender Tiger sein.

Animation ist Bewegung


Animation wird von unserem visuellen System als Bewegung interpretiert - zumindest zuerst. Sie löst damit unseren Aufmerksamkeitsreflex aus.

Wenn ein Benutzer sich also gerade auf einen Textabschnitt im Zentrum einer Website konzentriert, und weiter oben eine Animation aufblinkt, wird unsere Konzentration unwillkürlich in diese Richtung gelenkt. Der Mensch kann diesen Reflex zwar bis zu einem gewissen Grad unterdrücken. Nichtsdestotrotz gelingt dies nie vollständig - Animation kostet Konzentration.

Schlussfolgerungen


Vermeiden Sie Animation im Web, wo möglich - die Effizienz, mit der ein Surfer die ihm dargebotenen Inhalte aufnehmen kann, wird so verbessert.

Wenn es sich nicht vermeiden lässt...


Regelmäßige Animationen (also z.B. ein gleichmäßiges Blinken oder eine durchgezogene Bewegung) wirken weniger störend als unregelmäßige. Und je weniger Sie animieren, desto besser. Wenn Sie mehr als eine Animation brauchen, versuchen Sie, diese zu synchronisieren (z.B. gleichzeitiges Blinken verschiedener Buttons).

In HTML-Interfaces dürfte das zugegebenermaßen nicht ganz einfach sein (Stichwort animierte GIFs: die starten zum Zeitpunkt des Ladens, und der HTML-Browser lädt nicht alle Elemente gleichzeitig). Eventuell ließe sich das mit einem JavaScript-Vorlader optimieren. Andere Interfaces, wie Flash, lassen Ihnen da mehr Spielraum.

Verwenden Sie automatisch stoppende Animationen oder bieten Sie dem Nutzer optimalerweise eine Möglichkeit, den Ablauf der Animation zu steuern.

Sinnvolle Animationen


Natürlich gibt es auch sinnvolle Animationen: solche, deren Bewegungsablauf die eigentliche Nachricht enthält. Z.B. eine schematische Animation der neuesten NASA-Sonde um einen Planeten. Gegen solche Einsatzbereiche spricht auch im Web - ein multimediales Medium - nichts.

Fazit


Wägen Sie den Einsatz von Animation sorgfältig ab. Die dadurch entstehenden Nachteile sind nicht zu unterschätzen.

Autor: Alexander Dilthey | Erstmalig veröffentlicht: 07.08.2004 | Einen Artikel schreiben?

 

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