Seniorengerechte Contentgestaltung
Gelesen bei AboutWebDesign.de
URL: http://www.aboutwebdesign.de/awd/content/1055418549.shtml
Autoren: Thorsten Wilhelm & Miriam Yom (beide GF eResult)
Will man Senioren - also Personen, die das 60. Lebenjahr überschritten haben - mit speziell auf sie ausgerichteten Informations- / Unterhaltsangeboten im Web erreichen, so sollten einige Besonderheiten hinsichtlich der Informationsaufnahmekapazität im Alter beachtet werden.
Aufbauend auf ausgewählten Erkenntnisse der kognitiven Gerontopsychologie, der Usability-Forschung sowie eigenen Erfahrungen im Rahmen von Web-Usability-Tests möchten wir einige Empfehlungen zur Content- aber auch Werbemittelgestaltung bereitstelllen (siehe dazu auch Yom, Wilhelm & Beger 2001).
Reizarme Webseitengestaltung
Die Sehkraft und allgemeine Fähigkeiten zur Informationsaufnahme lassen im Alter z.T. deutlich nach. So erhöht sich mit zunehmenden Lebensalter die Sensibilität gegenüber grellen Lichtquellen bereits ab 45 Jahren. Auch das visuelle Wahrnehmungsfeld reduziert sich und die Fähigkeit schnell bewegende Objekte zu erkennen läßt nach. Dies führt u.a. dazu, dass reizstarke Umgebungen (wie z.B. Großveranstaltungen, Einkaufscenter) mit zunehmendem Alter immer weniger (gerne) aufgesucht werden.
Für die Gestaltung von Webseiten läßt sich daraus folgendes Ableiten: Animationen von Text- (z.B. blinkende Überschriften), Navigations- (z.B. Mouse-Over-Effects) oder Grafikelementen sollten nur sehr sparsam eingesetzt werden. Im Zweifelsfall sollte auf diese Art der Hervorhebung vollkommen verzichtet werden. Eine Hervorhebung von Elementen durch Bewegung (Animation) bieten sich nur dann an, wenn die Wahrnehmung der betreffenden Elemente für die Nutzung der Site zwingend erforderlich ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die ohnehin eingeschränkte Informationsaufnahmekapazität von älteren Webnutzerinnen / -nutzern auf nutzlose Seitenbereiche gelenkt wird.
Selbst dynamisch gestaltete Navigationselemente - wie beispielsweise Roll-Over-Menüs - sollten auf Webangeboten für Senioren nur bedingt eingesetzt werden. Entscheidender Grund: Die Feinmotorik läßt im Alter nach, so dass es älteren Usern häufig schwer fällt, die Maus entsprechend präzise zu bewegen, insbesondere wenn die Icons und Buttons relativ klein gestaltet sind.
Seniorengerechte Werbemittelgestaltung
Beim Einsatz von animierten Werbeflächen (z.B. Bannern / Skyscrapern) ist darauf zu achten, dass die Einblenddauer der Einzelbilder großzügig gewählt wird. Auch sollten die Werbemittel so präsentiert werden, dass beim Besuch einer Site mehrmalige Kontakte mit einem Werbemittel zustande kommen. Damit kann die Wahrscheinlichkeit zur Übermittlung von Werbebotschaften entscheidend erhöht werden. Wear-Out Effekte (aufgrund einer zu intensiven Kontaktdosis) sollten bei Senioren weniger schnell auftreten als bei jüngeren Webnutzern. Senioren sind in der Regel geduldiger als jüngere Zielgruppen und nicht permanent auf der Suche nach einer Stimulation.
Erfolgsfaktoren Schriftgröße und Schrifttype
In verschiedenen empirischen Studien zum Lesen von Texten auf Webseiten hat sich gezeigt, dass eine Schriftgröße von 14pt. (im Vergleich zu 12pt.) bei älteren Nutzern einen positiven Effekt auf die Lesbarkeit und Lesegeschwindigkeit sowie die Bereitschaft zum Lesen von Texten am Bildschirm hat (vgl. Bernard et al. 2001; siehe nebenstehende Abbildung).
Hinsichtlich der Wirkungen unterschiedlicher Schrifttypen liegen dagegen recht unterschiedliche Ergebnisse vor. Als geeignete Schrifttypen haben sich Verdana und Arial herausgestellt, wobei es aber auch einige Studien gibt, bei denen andere Schrifttypen (wie z.B. Times New Roman oder Georgia) von Senioren als besser lesbar beurteilt wurden.
Die Wahl der geeigneten Schrifttype sollte daher nur von Fall zu Fall entschieden werden. Dabei spielt auch die Gestaltung des Umfeldes (z.B. Hintergrundfarbe, Textanordnung, Text-Bild-Anordnungssequenzen auf der betreffenden Webseite) eine wichtige Rolle. Bevor eine Website online geht, sollte daher die Beurteilung aber auch die Lesegeschwindigkeit unterschiedlicher Schrifttypen analysiert werden. Dies geschieht idealerweise im Rahmen eines Nutzertests.
Fazit
Webseiten, die den altersbedingt eingeschränkten Informationsaufnahmefähigkeiten von Senioren gerecht werden, sollten möglichst wenige Informationseinheiten auf den einzelnen Seiten bereitstellen (also eine geringe Komplaxität bzw. Reizstärke aufweisen) und einfach strukturiert sein. Auch sollte die Schriftgröße auf mindestens 14pt. gesetzt werden bzw. individuell einstellbar sein.
Quellen
Bernard, M., Liao, C. & Mills, M. (2001). Determining the best online font for older adults. Usability News: Wichita State University (Software Usability Research Laboratory).
Walter, H. (1995). Das Alter leben!: Herausforderungen und neue Lebensqualitäten. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Yom, M., Wilhelm, T. & Beger, D. (2001). Seniorengerechte Website-Gestaltung, in: Planung und Analyse, 28. Jg., Heft 6, S.22-25
Zu den Autoren:
Dipl.-Kfm. Thorsten Wilhelm ist geschäftsführender Gesellschafter der eResult GmbH - eCommerce Research & Consulting (Göttingen) sowie im wissenschaftlichen Dienst an der Universität Göttingen tätig.
Dipl.-Kffr. Miriam Yom ist Geschäftsführerin der eResult GmbH (Göttingen) und als Dozentin an verschiedenen Fachhochschulen und Berufsakademien tätig.
Beide sind ebenfalls Herausgeber bzw. Betreiber der Usability-Competence-Site (www.usability-competence.de).