Gut verständlich: Kriterien für Content Usability

Gelesen bei AboutWebDesign.de
URL: http://www.aboutwebdesign.de/awd/content/1044720871.shtml

Content Usability - die Benutzbarkeit von Inhalten. Schön. Doch was genau verbirgt sich dahinter?

Betrachten wir die Angelegenheit aus Surfer-Perspektive. Der überwiegende Großteil der Surfer ist auf der Suche nach Informationen. Facts. Kurz und bündig. Wenn dieses Grundbedürfnis erfüllt werden kann, sind die Inhalte benutzbar.

Es ist nicht so, als hätten wir dieses Thema nie angeschnitten (siehe z.B. Textgestaltung oder auch Texte lesbar gestalten). Nichtsdestotrotz erschien es uns lohnend, noch einmal die wesentlichen Kriterien für gute, benutzbare Inhalte zusammenzufassen.

Unterschiede zur herkömmlichen Usability


Dabei muss klar zwischen der herkömmlichen, "normalen" Usability und der Content Usability unterschieden werden. Eine funktionierende Navigation fällt in ersteren Bereich und ist oft Voraussetzung dafür, dass letztere Variante überhaupt ihre Wirksamkeit zeigen kann. Wer jedoch dann versagt, hat beim Surfer verloren.

Kriterien


Was also macht nun Websites mit einer guten Content Usability aus?

Allgemein gesagt: die Inhalte müssen den Erwartungen der Surfer entsprechen, gut les- und scanbar sein, korrekt und gut ausgeliefert werden. Nicht zuletzt sollten die Inhalte

Kein Geschwätz


Besonders wichtig: Verzichten Sie auf New-Economy-Marketing-Geschwätz. Der Surfer interessiert sich nicht dafür, ob Ihr Unternehmen für Content-Syndication bald eine ganz neue Technology für großartige Synergieeffekte anbieten wird, die zudem noch vom unumstrittenen Marktführer im Bereich Web Systems kommt. Es interessiert ihn auch nicht, dass alle Ihre Mitarbeiter innovativ, kreativ, zum vernetzten Denken fähig, voll mit fachlicher Kompetenz und reichhaltiger Erfahrung sind.

Stattdessen, direkt auf der Startseite: wer sind Sie, was stellen Sie her, wodurch zeichnen sich Ihre Produkte aus.

Keine falschen Slogans. Keine Worthülsen. Keine Begriffe, die sowieso niemand richtig versteht. Und erst recht keine falschen Aussagen.

Klarheit und gute Struktur


Gute Inhalte dagegen zeichnen sich durch Prägnanz und klare, eindeutige Strukturen aus. Auf komplizierten Satzbau wird weitgehend verzichtet, denn der Surfer liest nicht, er scannt.

Das wird unterstützt durch sinnvolle Gliederungselemente: treffende Zwischenüberschriften und Titel sind Pflicht.

Ebenso ein roter Faden, der den Surfer begleitet, wenn er erst einmal tiefer in Ihre Texte eingestiegen ist. Gedankensprünge sind Gift, gerade im Web, wo der nächste, besser strukturierte Text nur einen Klick entfernt ist.

Informationsmenge


Zusätzlich sollten Sie Rücksicht auf das menschliche Kurzzeitgedächtnis nehmen. Als Faustregel können Sie davon ausgehen, dass es etwa sieben Informations-Blöcke speichern kann.

Das gute Gefühl


Weiterhin wichtig: Dem Surfer beim Lesen ein angenehmes Gefühl zu vermitteln. Verwenden Sie also einen freundlichen, offenen Stil, sodass Ihre Texte vertrauenswürdig und kompetent wirken. Der Leser sollte sich, wenn das möglich ist, persönlich angesprochen fühlen.

Bevormundungen und altkluge Ratschläge dagegen sollten Sie dagegen genauso vermeiden wie zu aufdringliche Botschaften.

Weitere Faustregeln dazu gibt es nicht: fast alles hängt davon ab, wer Ihre Zielgruppe ist.

Unterschätzen Sie diesen Faktor nicht: Erfolgreicher Dialog setzt ein gewisses emotionales Einverständnis voraus. Jemand, der Sie nicht mag, wird dagegen fast niemals ein Produkt von Ihnen kaufen wollen.

Kultureller Kontext


Eng damit einhergehend: Gute Texte setzen nichts voraus, was beim Leser nicht vorhanden ist. Soll heißen: wer eine Zielgruppe mit schlechter Bildung anvisiert, verwendet nicht andauernd komplizierte Fachwörter. Umgekehrt ist z.B. Jugendsprache in Artikeln eines Nachrichtenmagazins in den meisten Fällen einfach nur deplatziert.

Optik


Pro Absatz eine Hauptaussage, Zwischenüberschriften, Listen, Hervorhebung wichtiger Begriffe - die richtige Optik ist entscheidende Voraussetzung für die Überschaubarkeit von Texten und geht einher mit der sinnvollen inhaltlichen Struktur.

Auch Liquid Design spielt hier mit ein - wem die Schrift zu klein ist, kann sie einfach vergrößern. Wenn Sie nicht so weit gehen wollen, setzen Sie zumindest die Standard-Schriftgröße auf einen hohen Wert.

Wer zusätzlich Bilder verwendet, lockert einerseits den Textfluss auf. Zusätzlich werden die Texte dadurch aber auch einprägsamer und verständlicher - wenn die Bilder denn sinnvoll gewählt sind.

Wer z.B. bei Katastrophen-Berichten Emotionen auslösen will, sollte tunlichst passende Abbildungen einsetzen. Und wer einen regierkritischen Bericht schreibt, sucht möglichst nach einem entlarvenden Foto des Kanzlers.

Rechtschreibung


Wer viele Rechtschreibfehler macht, erschwert nicht nur das Lesen der Texte, indirekt verspielt er auch sein Vertrauen beim Surfer bzw. Kunden.

Aktualität


Veraltete Inhalte sind wertlos, daher gilt auch hier: Aktualität ist Trumpf. Oder, zynischer gesagt: Der Anschein von Aktualität ist wichtig. Es soll Webmaster geben, die per Skript einfach das gestrige Datum unter "Zuletzt geändert" angeben...

Zugänglichkeit


Dazu gehören: Geschwindigkeit und technische Anforderungen. Niemand wird minutenlang auf Ihre Seiten warten wollen oder sich extra wegen Ihnen die neueste Version eines Plugins herunterladen.

Fazit


Eine Checkliste, die einem die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Inhalten ermöglicht, das war Ziel dieses Artikels. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: um überhaupt mit allen Punkten sinnvoll arbeiten zu können, brauchen Sie eine recht genaue Vorstellung von Ihrer Zielgruppe. Wir haben z.B. in unserem eBook beschrieben, welche Kriterien dafür wichtig sein können.