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Der Wow-Effekt

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Platzhalter Wenn der Mensch nach Informationen sucht, wendet er ein Verfahren an, das manchmal als "Scanning" bezeichnet wird: schnelles Überfliegen von Inhalt, bis Relevantes gefunden ist. Das funktioniert in verschiedenen Ausprägungen: Texte beispielsweise werden intensiver überflogen als Zeitungsseiten.

Page-Scanning


Das lässt den Schluss zu, dass auch Internet-Seiten beim ersten Besuch zunächst gescannt und auf Relevanz überprüft werden. Eine Seite, die "auf den ersten Blick" nicht gefällt, wird weggeklickt, wohingegen manche Seiten beim Besucher eine Reaktion auslösen, die wir als "Wow-Effekt" bezeichnen: Ja, diese Seite ist es. Sie ist genau die richtige für mich. Sie enthält interessante Informationen. Ich muss meinen Freunden die URL schicken.

Um einen Besucher also nicht schon beim ersten Kontakt zu verlieren, muss die Seite den Wow-Effekt auslösen.

Wow-Erfolgselemente


Die Erfahrung zeigt, dass zur ersten Bewertung der Relevanz vermeintlich unwichtige Faktoren herangezogen werden: wie sieht die Seite aus? Ist das Farbschema attraktiv? Passen die inhaltlichen Schlüsselelemente zu dem, was ich suche?

Dabei bewegen sich die Augen grundsätzlich von oben nach unten, mit einer Tendenz von links nach rechts. Sie folgen meist einer S- oder Z-förmigen Bewegung. Auf dem Weg von links oben nach rechts unten wird versucht, Schlüssel-Elemente auszumachen. Dazu gehören z.B. (große!) Überschriften, optische Strukturen oder auch Bilder.

Werden entlang dieser Bewegung keine Schlüsselelemente gefunden, macht sich das Gehirn mehr oder minder bewusst auf die Suche. An diesem Punkt hat die untersuchte Site aber schon die wichtige erste Chance verpasst, dem Surfer zu gefallen.

Heißt also zusammengefasst: es kommt auf die leichte Erkennbarkeit der Schlüsselelemente an, anhand derer die Relevanz einer Site erkannt wird. Zusätzlich ist wichtig, ob diese Schlüsselelemente beim Surfer Gefallen finden. Beiden Faktoren wollen wir uns im Folgenden noch etwas näher ansehen.

Erkennbarkeit der Schlüsselelemente


Bilder als Schlüsselelement


Was sind Schlüsselelemente? In erster Linie Strukturen, Überschriften und Bilder, wobei Bilder die größte Rolle spielen. Wird ein Schlüsselelement gefunden, dann wird auch die Umgebung nach weiteren relevanten Informationen abgesucht, denen dann ebenfalls eine hohe Bedeutung beigemessen wird.

Ein Beispiel dafür sind Bild-Untertexte, die Untersuchungen zufolge die meistgelesenen Texte in Zeitschriften sind: Bilder sind wichtige Schlüsselelemente, weswegen sie schon beim Scanning erkannt werden. Danach wird in ihrer Umgebung gesucht, und es werden Untertexte gefunden.

Grundregeln


Grundsätzlich wird größeren Elementen eine höhere Bedeutung zugemessen. Text-Elemente, die an Bild gekoppelt sind, werden ebenfalls höher bewertet. Nah beieinander stehende oder ähnlich aussehende Elemente werden zu Gruppen zusammengefasst und als Einheit wahrgenommen.

Augenbewegung


Wie bereits oben erwähnt, kommt es auf die Struktur der Elemente an, also auf die Anordnung: konventionell wird auf eine S- oder Z-förmige Anordnung gesetzt. Der praktische Effekt: es stehen keine Elemente nebeneinander, die sich "beißen", die Scan-Bewegung ist flüssig.

Wenn Sie einer solchen Anordnung nicht folgen und keine klare Alternative verwenden, hat das den Effekt, dass länger gesucht wird. Die subjektive Zufriedenheit des Besuchers wird dadurch mit Sicherheit nicht zunehmen, Sie verspielen also Punkte. "Klare Alternativen" gibt es einige: Sie können z.B. einfach die Überschriften von oben nach unten durchlaufen lassen, ohne grafisches Beiwerk. Sofern Sie sich dann auf 3 - 5 Überschriften beschränken, funktioniert auch das.

Wieso so wenige? Die Wahrnehmungspsychologie zeigt, dass die Kurzzeit-Gedächtnis des Durchschnittsmenschen fünf Informationen abspeichern kann. Wer mehr Schwerpunkte setzt, verwirrt damit nur.

Am Beispiel des nebenstehenden CNN-Screenshots dürfte das klar werden: CNN setzt sehr gekonnt auf einen Schwerpunkt, die Top News. Dafür nimmt man die größte Headline und stellt auch ein Bild darüber - die ganze Site gruppiert sich optisch um diesen Bereich. Wer sich also gerade für die Top News interessiert, wird optimal bedient.

Wer jedoch gerade andere Informationen sucht, wird so schnell nicht fündig und mit Informationen überflutet. CNN hat es hier versäumt, andere wichtige Bereiche ausreichend hervorzuheben. Die Navigation beispielsweise erscheint als unwichtig und wird nur schwer gefunden, genauso wie die "More Top Stories".

Erfahrungen


Aus dem Zeitungsdruck kennen wir eine Reihe weiterer Prinzipien: Sie sollten grundsätzlich versuchen, klare Schwerpunkte zu setzen. Wenn Sie zwei gleichwertige Themen haben, platzieren Sie also nicht beide mit gleich großen Bildern und Überschriften direkt nebeneinander. Das verwirrt.

Eine Möglichkeit wäre, die eine Bild-Überschrift-Gruppe im Vergleich zur anderen deutlich größer zu machen, was jedoch der Gleichwertigkeit der beiden Themen zuwiderlaufen würde. Oder Sie lassen beide gleichgroß, fügen jedoch eine klare räumliche Trennung ein, sodass keine so offenkundige Konkurrenz zwischen beiden Elementen entsteht.

Empfehlenswert ist, ein Element ganz klar als Haupt-Element darzustellen.

Bewertung der Schlüsselelemente


Ob die gefundenen Schlüsselelemente einen User dazu führen, die Seite als relevant einzustufen, hängt zu wesentlichen Teilen vom Surfer selbst ab. Zunächst einmal sollten Sie versuchen, möglichst gefällige Farbkombinationen und sonstige Layout-Elemente zu finden, je nach Zielgruppe. Andere AboutWebDesign-Artikel (z.B. zu Schriften oder Farben) geben die dazu notwendigen Informationen.

Wichtig ist, dass die Haupt-Elemente einen inhaltlichen Bezug haben. Sie müssen also zeigen, worum es auf der Seite geht. Es gibt in dieser Hinsicht die Auffassung, eine Startseite solle nur Elemente enthalten, die das Hauptthema der Seite deutlich machen.

Formaler ausgedrückt: es geht darum, eine Schnittmenge mit dem inhaltlichen Erwartungshorizont potenzieller Besucher herzustellen, und das möglichst deutlich.

Fazit


Wenn dieser Artikel in eine Designphilosophie verwandelt werden sollte, wäre sie recht simpel:
Halten Sie sich an Standards zur Raumaufteilung.
Machen Sie klar, welches Thema Ihr Hauptthema ist.
Verwenden Sie dazu eine große Headline mit einem Bild.
Für weitere Themen können Sie weitere Bilder mit weiteren Headlines verwenden.
Versuchen Sie, den optischen Geschmack der Surfer zu treffen.
Grundsatz: je größer, desto wichtiger.
Keep it simple.

Autor: Alexander Dilthey | Erstmalig veröffentlicht: 14.10.2002 | Einen Artikel schreiben?

 

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